Dies ist keine Anlageberatung. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzprodukts dar.
Social Trading als Strategie bedeutet, dass du deine Handelsentscheidungen anhand der Handlungen anderer Trader triffst – typischerweise über eine Plattform, die die Performance, Positionen und Risikokennzahlen der besten Trader auf der Plattform anzeigt. Der Trader wählt einen Trader oder eine Gruppe von Tradern aus, denen er folgen möchte, und die Plattform kopiert die ausgewählten Positionen automatisch in das Konto des Followers.
Der Ansatz ist besonders nützlich für Einsteiger, die keine eigene getestete Strategie haben, sowie für Trader, die sich über mehrere Strategien diversifizieren möchten, ohne jede Position einzeln verwalten zu müssen. Für erfahrene Trader, die eine getestete Strategie haben, ist der Ansatz weniger geeignet, weil die Performance des Social Traders oft nicht über die Zeit hinweg konsistent ist.
So funktioniert Social Trading
Eine Social-Trading-Plattform zeigt einen Feed mit Tradern, deren Performance-Statistiken, offenen Positionen, Risikokennzahlen und Handelshistorie. Der Follower wählt einen Trader anhand der Kennzahlen aus, und die Plattform kopiert die Positionen des Traders in das Konto des Followers im angegebenen Verhältnis (zum Beispiel 0,5×, wenn der Follower das Risiko halbieren möchte).
Das Kopieren erfolgt automatisch durch die Plattform. Wenn der nachverfolgte Trader eine Position eröffnet, eröffnet die Plattform dieselbe Position im Konto des Followers im angegebenen Verhältnis. Wenn der nachverfolgte Trader die Position schließt, schließt die Plattform die Kopie. Der Follower trifft keine eigenen Handelsentscheidungen; das Trading des Followers basiert vollständig auf den Entscheidungen des nachverfolgten Traders.
Die Social-Trading-Plattform unterscheidet sich von Copy Trading (bei dem der Follower eine bestimmte Strategie oder ein Portfolio auswählt, statt einen Trader) und von Mirror Trading (bei dem der Follower einen einzelnen Trade anhand eines Signals kopiert). Social Trading geht es darum, einem Trader zu folgen, nicht einer Strategie.
Die Kennzahlen, die zählen
Die wichtigste Kennzahl ist der maximale Drawdown, nicht die Rendite. Ein Trader, der in den letzten zwölf Monaten eine Rendite von 50% erzielt hat, aber einen Drawdown von 40% hatte, ist mit größerer Wahrscheinlichkeit dazu in der Lage, im nächsten Jahr erneut einen Drawdown von 40% zu erleiden, als ein Trader, der 20% Rendite bei einem Drawdown von 10% erzielt hat. Der Drawdown ist die Kennzahl, die dem Follower zeigt, wie die schlimmste Erfahrung im Worst Case aussieht.
Die zweite Kennzahl ist die Anzahl der Trades. Ein Trader mit 500 Trades in den letzten zwölf Monaten hat eine verlässlichere Erfolgsbilanz als ein Trader mit 20 Trades im selben Zeitraum. Die Stichprobengröße ist die Grundlage für die statistische Verlässlichkeit der Kennzahlen.
Die dritte Kennzahl ist die „skin in the game“ des Traders. Ein Trader, der auch eigenes Kapital zusammen mit den Followern handelt, ist stärker mit dem Interesse der Follower ausgerichtet als ein Trader, der nur das Kapital der Follower handelt. Die „skin in the game“ ist der wichtigste Governance-Mechanismus auf einer Social-Trading-Plattform.
Die Risiken von Social Trading
Das erste Risiko ist der Survivorship Bias (Überlebensvorteil). Die Trader, die auf der Plattform sichtbar sind, sind diejenigen, die lange genug überlebt haben, um eine Erfolgsbilanz aufzubauen. Die Trader, die ihre Konten in die Pleite geführt haben, sind nicht sichtbar, und der Follower sieht nur die besten Fallbeispiele des Social-Trading-Modells.
Das zweite Risiko ist die Copy-Verzögerung. Auf den meisten Plattformen werden die Positionen des Followers mit einer Verzögerung von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten geöffnet und geschlossen, nachdem die Positionen des nachgefolgten Traders geöffnet bzw. geschlossen wurden. In einem schnellen Markt kann die Verzögerung einen erheblichen Unterschied bei den Ein- und Ausstiegskursen erzeugen, und die Differenz schmälert die Performance des Kopierens im Vergleich zum Original.
Das dritte Risiko ist das Plattformrisiko. Die Social-Trading-Plattform ist ein Drittanbieter-Service, der in den Broker integriert ist. Wenn die Plattform offline geht, wird das Kopieren des Followers unterbrochen. Wenn die Plattform insolvent geht, können die Kopierhistorie des Followers und die Beziehung zum nachgefolgten Trader verloren gehen.
Das vierte Risiko ist die Überdiversifikation. Ein Follower, der 10 verschiedene Trader kopiert, kann am Ende ein Portfolio haben, das so stark diversifiziert ist, dass der Vorteil des einzelnen Traders verwässert wird. Der Nettoeffekt kann nahe null liegen: Der Follower zahlt die Gebühren der Social-Trading-Plattform, ohne eine Rendite zu erzielen.
So nutzt du Social Trading als Strategie
Die ehrliche Antwort lautet: Nutze Social Trading als Ausgangspunkt, nicht als dauerhafte Strategie. Ein Trader, der einem Social Trader 6-12 Monate lang folgt, lernt die Strategie des Traders, dessen Risikomanagement und sein Verhalten in unterschiedlichen Marktbedingungen kennen. Der Follower kann dann entscheiden, ob er die Strategie übernimmt, sie anpasst oder eine eigene entwickelt.
Der Follower sollte die Social-Trading-Plattform außerdem als Lernwerkzeug nutzen, nicht als Delegationswerkzeug. Der Follower sollte die Entscheidungen des gefolgten Traders studieren, die Begründung verstehen und die Erkenntnisse auf das eigene Trading übertragen. Die Social-Trading-Plattform ist ein Klassenzimmer, kein Portfolio-Manager.
Verwandte Ressourcen
Wo anfangen
Wenn du Social Trading als Strategie bewertest, sind die nützlichsten Vergleichskriterien die Kennzahlen zur Trader-Auswahl, die Kopierverzögerung, die Gebührenstruktur und die Integration der Plattform mit deinem Broker. Unsere Broker-Vergleichsseite listet die Broker auf, die Social Trading anbieten, sowie die verfügbaren Funktionen. Zusammen zeigen sie dir, wie die Plattform aussieht, bevor du deinem ersten Trader folgst.